Pressespiegel März 2007

Süddeutsche Zeitung

Alles fehlt, nur der Mangel nicht

Wie die „Münchner Tafel“ Bedürftige mit Essen versorgt – und es nie reicht
Man sieht sie täglich, mitten in München und auch in den besseren Stadtvierteln. Manche sind ärmlich gekleidet und stehen vor Lieferwagen mit Waren an, sie warten auf die Ausgabe von Lebensmitteln.
Vielen sieht man ihre Bedürftigkeit aber auch nicht an. Da kommt die adrett alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern und unsichtbaren Schulden. Oder die ältere Frau, die nach außen hin alles tut damit niemand erkennt, wie klein ihre Rente ist. Auf diese Realität trifft der Verein Münchner Tafel, wenn er in der ganzen Stadt Lebensmittelspenden an Bedürftige verteilt.
Zwar bekommt der Verein schon viel Unterstützung. Es reicht aber dennoch hinten und vorne nicht. „Die Bedürftigen werden immer mehr“, sagt die Vereinsvorsitzende Hannelore Kiethe. 15 000 Menschen werden jede Woche an den 21 Ausgabestellen versorgt, 80 Tonnen Lebensmittel sind es wöchentlich. „Wir müssen sehr viele Menschen abweisen“, sagt Kiethe, „weil wir nicht genug Lebensmittel haben.“ Vor allem an Grundnahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Wurst, Käse, Fett und Öl fehlt es.
Obwohl schon etwa 100 Sponsoren die Münchner Tafel versorgen, ist der Bedarf an Grundnahrungsmitteln enorm. An Unterstützung mit Büromöbeln, Transportfahrzeugen, aber auch an Brot oder Milchprodukten gibt es derzeit allerdings keinen Mangel, erzählt Kiethe. Weil es aber an Grundsätzlichem fehlt, kann eine Verteilstation in Fürstenried seit zwei Jahren immer noch nicht eröffnet werden, obwohl auch hier die Not groß ist. „Es gibt zu wenig Lebensmittelzusagen“, sagt Kiethe.
Was die Organisatorin aber am meisten erschüttert, ist die Tatsache, dass immer mehr Schulen und Kinderhorte bei der Münchner Tafel um Hilfe fragen. Da heißt es dann: Unsere Kinder kommen aus sozial schwachen Familien und werden zuhause nicht versorgt. „Wir werden immer wieder nach Lebensmitteln gebeten, haben aber zu wenig“, sagt Kiethe.

Wer helfen will, kann sich unter der Telefonnummer 089-29 22 50 melden.


  Copyright: 2009 by Münchner Tafel