Pressespiegel Mai 2005

Münchner SamstagsBlatt

Essen für die Armen: Münchner Tafel verteilt Lebensmittel an Bedürftige

Sie stehen für das moderne, das reiche München, die zwei Hochhaustürme an der Hackerbrücke. Ein paar Schritte davon entfernt befindet sich ein Ort für das Überleben der Ärmsten der Armen. Im doppelten Wortsinn abseits der Landsberger Straße, öffnet sich, neben der Kirche St. Benedikt in der Schrenkstraße, ein kleiner begrünter Innenhof. Dort reihen sich jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr Bedürftige in eine jedes Mal lange Warteschlange ein. Sie stehen an, um sich und ihre Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Diese Alten und Jungen aus allen Schichten der Bevölkerung leben am Rande ihrer Existenz. Sie sind arm, sie haben Hunger und sie sind auf Hilfe angewiesen. In München leben rund 160000 Menschen unter der Armutsgrenze! Darunter sehr viele Kinder. Nach dem neuesten Armutsbericht der Bundesregierung wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende und deren Kinder, Migranten, Arbeitslose und Familien.

Was auf den ersten Blick anmutet wie ein südländischer Markt, ist eine Verteilstelle der „Münchner Tafel“. Dieser Verein versorgt wöchentlich einmal über 80 soziale Einrichtungen in München: Obdachlosenküchen, Frauenhäuser, Klöster, Hospize, und Unterkünfte, in denen politisch Verfolgte und heimatlose Jugendliche Zuflucht gefunden haben. Darüber hinaus gibt es weitere 20 Verteilstationen der „Tafel“. Sie liegen in den Stadtteilen, in denen nach dem Armutsbericht der Stadt die größte Armut herrscht. 70000 Tonnen Lebensmittel verteilt der „mildtätige Verein“ in der Woche. Er erreicht damit über 12000 Menschen. Und so heißt das Projekt – bei dem die Caritas in der Schrenkstraße 3 und die Münchner Tafel zusammenarbeiten – wie laut Bibel die Nahrung, die das Volk Israel vorm Hungertod in der Wüste bewahrte, „Manna“. Mit dabei sind die Pfarreien im Westend: St. Andreas, St. Paul sowie der Pfarrverband Westend mit St. Benedikt, St. Rupert und Maria Heimsuchung. Die 55-Jährige Christine Gimpel von der Caritas leitet das Projekt. 15 ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen sie.

Die Helferin kennt die Not der Bedürftigen aus Gesprächen mit ihnen. Viele Rentner seien darunter aber auch Menschen aus anderen Ländern. Um in den Genuss einer Spende zu kommen, müssen die Antragsteller ihre Bedürftigkeit nachweisen. Ausweise gibt es in der Schrenkstraße 3. Gimpel: „Bedingung ist ein Einkommen, das der Sozialhilfe plus 20 Prozent entspricht.“ 129 Berechtigungsscheine seien ausgegeben worden. Viele stünden auf der Warteliste.

Am Verteiltag schleppen die Ehrenamtlichen am laufenden Band Kisten mit Obst und Gemüse, Kartons mit Joghurt, Säcke mit Kartoffeln und Körbe voll Brot. An langen Tischen werden die Waren aufgebaut. Alles muss an seinem Platz sein, bevor der große Ansturm kommt. Erst dann werden die Türen des Pfarrhofes geöffnet. Geduldig warten alle, bis sie an die Reihe kommen. (...)

„In München gibt es Menschen, die nichts mehr zu essen haben, die sich nichts mehr leisten können, denen es am Notwendigsten fehlt.“ Das sagt Hannelore Kiethe, Gründungsmitglied der „Tafel“. Kaum jemand wisse, dass manche Menschen mit 30 bis 40 Euro im Monat auskommen müssen. Gerade in jüngster Zeit nehme die Zahl Hilfsbedürftiger dramatisch zu. Kiethe: „Immer mehr Menschen kommen nicht mehr über die Runden.“ Und: „Wir wollen bedingungslos dort helfen, wo Not und bittere Armut herrschen.“

Horizont

Gewinnende Sozialkampagnen

Mit einer Kampagne für die Münchner Tafel hat Serviceplan den mit 5000 Euro dotierten 1. Preis im Wettbewerb „Sozialkampagne“ der Bank für Sozialwirtschaft gewonnen. Mit dem 2. Preis (2500 Euro) wurde Heyne & Partner, München, für die „Architektur der Obdachlosigkeit“ ausgezeichnet. Der 3. Preis (1500 Euro) ging an die Berliner Agentur Zum goldenen Hirschen.

 

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