Pressespiegel August 2005

Münchner Merkur

von Katharina Motyl

Grenzenlose Gastfreundschaft
Münchner Innenstadtwirte laden 500 Bedürftige zum Essen ein

Der Duft von knusprigen Hendln liegt in der Luft, dazu gibt es Brezn und Kartoffelsalat, die Musi spielt auf. Ein ganz normaler Freitag im Hofbräuhaus? Nicht ganz: An diesem Tag bewirten die Münchner Innenstadtwirte kostenlos 500 bedürftige Münchner. Die Benefizveranstaltung zugunsten der „Münchner Tafel“ hat prominente Unterstützung: Karl-Heinz Wildmoser ist gekommen. Edith von Welser-Ude, Gattin des Oberbürgermeisters, hat die Schirmherrschaft übernommen und begrüßt die Gäste.

„Lehnen Sie sich heute zurück und lassen Sie sich bedienen.“ Jeder Mensch habe Gastfreundschaft und Respekt verdient, egal ob wohlhabend oder bedürftig. Die Gäste sind rundum begeistert. „So gut habe ich lange nicht mehr gegessen“, sagt der arbeitslose Stefan B.

Ein Highlight ist freilich die Anwesenheit des ehemaligen 60-er Präsidenten. Er findet vor lauter Autogrammwünschen fast keine ruhige Minute. „Herr Wildmoser hat mir zum Abschied auf die Schulter geklopft“, schwärmt Rentnerin Irene W.

Wildmoser erklärt das soziale Engagement der Innenstadtwirte: „Es ist ein schönes Gefühl, etwas für Menschen zu tun, denen es nicht so gut geht, wie uns.“ Er fügt hinzu: „Ich habe ein offenes Herz für jeden Bedürftigen.“

Lauf Sozialamt leben rund 160 000 Münchner unterhalb der Armutsgrenze. „Seit der Einführung von Hartz IV sind immer mehr Münchner von Armut betroffen“, sagt Hannelore Kiethe, Leiterin der „Münchner Tafel“. Gerade die Anzahl der sozialen Härtefälle sei seither gestiegen. „Wir bekommen Anrufe von verzweifelten Menschen, die seit Wochen nur von Wasser und Brot leben“, sagt Kiethe.

Zum Glück kann die „Tafel“ da helfen: Pro Woche verteilen Kiethe und ihr Team über 70 Tonnen Lebensmittel an rund 12 000 Bedürftige. Über 100 Geschäfte, Gastronomen und Privatpersonen stellen die Lebensmittel zur Verfügung.

Seit drei Wochen nimmt auch Rebecca N. das Angebot der „Tafel“ wahr. Die alleinerziehende Mutter von zwei minderjährigen Kindern und ihr erwachsener Sohn erhalten beide Arbeitslosengeld II. Damit hat der vierköpfige Haushalt monatlich 857 Euro zur Verfügung. „Da bin ich froh, dass ich nicht alle Lebensmittel selber kaufen muss.“ Wenn ihre Kinder einen Wunsch hätten, müsse sie eh schon meistens nein sagen. „Das tut sehr weh.“ Vielleicht kann sie ihren Kindern ja heute ein Geschenk machen: Die Innenstadtwirte geben jedem Gast eine Überraschungstüte mit auf den Heimweg.

Abendzeitung

von Dobel/tha

Immer mehr Menschen in Deutschland sind unterernährt

Experten schlagen Alarm: In Deutschland steigt die Zahl der Mangel- und Unterernährten. Der Grund: Immer mehr Menschen leben am Existenzminimum, in Heimen und Kliniken wird gespart. Neben Armen sind vor allem kranke Kinder betroffen – bei ihnen sei ein „erschreckend hohes“ Maß an Unterernährung festzustellen, sagt Berthold Koletzko, Professor am Haunerschen Kinderspital in München und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Der Mangel beginnt mitten in der Gesellschaft: Die Nachfrage nach Lebensmitteln sei gestiegen, berichtet Sozialpädagogin Brigitte Sobetzko von der Caritas in München-Laim. Eine Verzögerung der Arbeitslosengeld-Auszahlung im Rahmen der Hartz IV-Reformen sei ein Grund für die gestiegene Nachfrage. (…)

In der Landeshauptstadt unterstützt die so genannte „Münchner Tafel“ die Hungrigen – rund 13.000 werden jede Woche von ihr versorgt. Organisator Reiner Raab glaubt, dass die Zahl der Hilfsbedürftigen zehn Mal höher liegt.

Besonders betroffen: Alte und Kranke. (….)

Süddeutsche Zeitung

von Jens Kiffmeier

Festessen für Bedürftige

Für viele Kinder bedeutet die Benefiz-Aktion eine Abwechslung vom Alltag. Bevor die Teller mit den halben Hendln und dem Kartoffelsalat serviert werden, bestürmen sie mit ihren Autogrammwünschen Karl-Heinz Wildmoser. Der Gastronom und Ex-Präsident des TSV 1860 ist Mitglied im Verein der Münchner Innenstadtwirte, der zusammen mit der Münchner Tafel 500 Bedürftige in den Festsaal des Hofbräuhauses geladen hat, um sie kostenlos zu bewirten. „Wir haben bewusst für Sie diesen schönen Festsaal ausgewählt“, sagt der Vereinsvorsitzende Karl Langegger zur Begrüßung. Und Oberbürgermeister-Gattin Edith von Welser-Ude fügt als Schirmherrin hinzu: „Wir möchten Ihnen Respekt zollen, und dazu gehört auch, dass Sie sich einmal richtig bedienen lassen können.“

In diesen Genuss kommt aber nur ein Bruchteil der Bedürftigen. Laut Armutsbericht leben in der Stadt 160 000 Menschen am Rande der Existenz. „Alle Gäste, die aus dieser Masse ausgewählt wurden und heute hier sind, kommen in der Regel einmal pro Woche zu uns. Über den persönlichen Kontakt zu unseren Helfern wurden sie dann eingeladen“, erklärt die Vorsitzende der Münchner Tafel, Hannelore Kiethe. Insgesamt werden 12 000 Münchner pro Woche von der Hilfsorganisation an 20 Verteilstationen mit Lebensmitteln versorgt. „Ich bin froh, dass sich die Tafel um uns kümmert. Und so etwas wie heute ist ein Highlight“, freut sich ein 76-Jähriger.

Besonders Rentner und Arbeitslosengeld-II-Empfänger, aber auch immer mehr Familien mit Kindern seien von Armut betroffen, sagt Mareyke Böh, die wie alle ehrenamtlichen Helfer das Leben der Bedürftigen täglich hautnah miterlebt. Und die Zahl wachse täglich. „Vor allem immer mehr Kinder leben am Limit“, bestätigt Elfriede Auer, die zusammen mit ihrer Tochter und der siebenjährigen Enkelin ins Hofbräuhaus gekommen war. „Für die Kleine ist es ein Festessen“, sagt die Rentnerin, die vor vier Jahren durch einen Malaria-Virus erwerbsunfähig wurde. Ihre Tochter muss Schulden ihres Mannes abzahlen.

Ein doppelter Schicksalsschlag für eine Kleinfamilie, der keine Seltenheit darstellt. Deshalb sucht Hannelore Kiethe weiterhin Sponsoren und Unterstützer für ihr Netzwerk. Mehr als 100 Firmen kooperieren mit der Hilfsorganisation und liefern überschüssige Lebensmittel. Die Innenstadtwirte wollen ein fester Bestandteil des Netzwerkes bleiben. „Bei uns ist es etwas schwieriger durch die Lebensmittelvorschriften. Einmal gekochte Speisen dürfen nicht weitergegeben werden“, sagt Langegger. Doch der Vorsitzende der Innenstadtwirte verspricht, weiterhin mit ähnlichen Benefizaktionen für Abwechslung im Alltag der Bedürftigen zu sorgen.

 

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