Pressespiegel September 2004

Münchner Merkur

Stille Helden des Alltags

Von Doris Richter

Meist leisten sie Gewaltiges, ohne darum viel Aufhebens zu machen: Ehrenamtliche Helfer sind die stillen Helden des Alltags. Man trifft sie in fast allen Bereichen des sozialen Lebens. Viele wichtige Aufgaben wären angesichts leerer Kassen von Stadt und Freistaat ohne die uneigennützigen Helfer im Hintergrund kaum zu bewältigen. Wir rücken einige von ihnen und ihre Arbeit in den Vordergrund. Heute: Gabi Schultz kümmert sich bei der "Münchner Tafel" um Bedürftige.

"Es kommt so viel zurück von den Menschen"
Gabi Schultz verteilt für die Münchner Tafel ehrenamtlich Essen an Bedürftige
Gabi Schultz fährt meist an einem Dienstag in den Urlaub. Und kommt an einem Sonntag zurück. Montags ist sie ungern weg. Denn an diesem Wochentag verteilt die 64-Jährige immer Essen an Bedürftige in Ramersdorf. Seit acht Jahren engagiert sich Gabi Schultz im Verein "Münchner Tafel" ehrenamtlich. "Eine unglaublich sinnvolle Sache", sagt sie. Gemeinsam mit ihren Kollegen - fast alles Ehrenamtliche - sammelt sie Lebensmittel und Spenden von Sponsoren und verteilt sie im ganzen Stadtgebiet an arme Münchner. Etwa 11.000 Menschen profitieren davon.
"Die Armut ist in München meist unsichtbar", erzählt Schultz. An den Busstationen indes, an denen die "Münchner Tafel" die Lebensmittel verteilt, ist sie unübersehbar. "Doch vielen, die da Schlange stehen, ist die Armut auf den ersten Blick nicht anzusehen" sagt sie. "Blitzsaubere Leute sind das." Doch die 64-Jährige kennt auch deren Schicksale. An ihrer Busstation kennt sie alle beim Namen. Sie gibt ihnen nicht nur Essen, sie hört auch zu. "Man wird ein wenig zum Seelsorger", sagt Schultz. Viele kommen mit ihren Sorgen zu ihr. Allein erziehende Mütter, die einen Kinderwagen brauchen; alte Menschen, die sich mit ihrer kleinen Rente keinen neuen Mantel leisten können; junge Männer, die keine Arbeit finden. Gabi Schultz versucht zu helfen, wo sie kann. Oft ist es unmöglich. Doch: "Der Kontakt zu den Menschen ist mir wichtig und auch schön", sagt die Helferin.
Wenn nicht gerade Montag ist, sitzt Gabi Schultz im Büro. Telefoniert mit Sponsoren und versucht neue zu gewinnen. Aber auch Freunde und Bekannte spricht sie an. "Wir brauchen jeden Cent, den wir kriegen können."
Die 64-Jährige sagt direkt, was sie will. Auch ihre Freude ist ehrlich. Wenn zum Beispiel ein junges Paar im Büro steht, und die Kirchen-Kollekte ihrer Hochzeit spenden will. "Das sind die schönsten Momente", sagt Gabi Schultz. "Die Hilfsbereitschaft mancher Menschen haut mich um." (...)
Auch wenn ihr das Schicksal der Menschen nahe geht, kann sie abschalten und ihre Freizeit genießen. Zum Teil noch mehr, als früher. "Die Arbeit hat meine Wertigkeit verändert", sagt sie. Sie sehe Dinge anders. Und sei dankbarer geworden.

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