Pressespiegel Oktober 2004

Die Welt kompakt

Münchner Tafel – 20. Anlaufpunkt
Die seit zehn Jahren bestehende „Münchner Tafel“ hat ihre
20. Verteilstation eröffnet – und zwar in der Sendlinger Großmarkthalle.

Die „Tafel“ verteilt seit rund zehn Jahren Lebensmittel an mittlerweile 11.000 Bedürftige.

Abendzeitung

von I. Alms

70 Tonnen Lebensmittel für Hungrige
Münchner Tafel e.V. eröffnet eine neue Verteilstation – es kommen immer mehr


München. Die Armut macht auch vor den Münchnern nicht Halt. Zum Glück gibt es den Verein Münchner Tafel e.V., der jede Woche 11.000 bedürftigen Menschen mit 60 bis 70 Tonnen frischen Lebensmitteln unter die Arme greift. Gestern wurde auf dem Gelände der Großmarkthalle in der Thalkirchner Straße 81 eine neue Verteilstation der Tafel eröffnet. „Ich war Justitiar in einem Großunternehmen und für andere Jobs überqualifiziert. Jetzt bekomm ich Arbeitslosenhilfe, von der ich aber nicht leben kann.“ sagt ein Mann in der Schlange vor den Lebensmitteln. Alter und Schulabschluss spielen oft keine Rolle. Die Rente ist zu niedrig, zu geringes Einkommen, zu viele Kinder zu versorgen, oftmals greift nicht einmal mehr die Sozialhilfe.

Gründe für die Bedürftigkeit der Münchner gibt es viele. Hannelore Kiethe, eine Vorsitzende der Tafel: „Es ist erschreckend, wir hatten in den letzten anderthalb Jahren einen Anstieg des Personenzulaufs um 40 Prozent. Die Menschen haben oft seit zwei, drei Tagen nichts gegessen.“
Bis zu 200 Münchner nehmen das Angebot einer Veiteilstelle wahr, von denen es in der Stadt 20 gibt. Dazu kommen noch 80 soziale Einrichtungen, in denen Lebensmittel verteilt werden. Spenden kommen von der Großmarkthalle und Unternehmen. Die Bedürftigen sind dankbar.

Münchner Merkur

von Doris Richter

Schlange stehen für Brot und Eier

Den Helfern von der Münchner Tafel wächst die Armut längst über den Kopf.

Zum ersten Mal diese Woche ist Maria K. „richtig glücklich“, wie sie sagt. In ihrem alten, zerfransten Einkaufskorb liegen ein frisches Brot, Eier, Salat, zwei Joghurts und ein wenig Obst. Darunter Kiwis. „Die mag ich so gern“, sagt die 74-Jährige und lächelt. Bekommen hat sie die Sachen von der Münchner Tafel. Jede Woche kommt Maria K. an die Bushaltestelle in der Blumenau, wo der Verein Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Sich selbst eine Kiwi zu kaufen, das leistet sich Maria K. nur selten. Bei 450 Euro Rente im Monat sind Extras kaum drin. 220 Euro gehen für die Miete drauf, 60 Euro für Strom. Bleiben 170 Euro zum Leben. „Ich versuche, jeden Monat ein wenig wegzulegen, wenn ich mal auf einen Schlag mehr brauche“, sagt Maria K. Davor hat sie große Angst. Dass zum Beispiel plötzlich der Ofen kaputt gehen könnte.

„Vieles, was für uns zum Alltag gehört, wird für unsere Kunden zum riesigen Problem“, weiß Hannelore Kiethe von der Münchner Tafel. Etwas 11.000 Menschen versorgt der Verein stadtweit an 19 Busstationen. Am kommenden Mittwoch wird die 20. eröffnet. „Die Armut wächst uns langsam über den Kopf“, sagt Hannelore Kiethe. Alte Menschen mit einer kleinen Rente, alleinerziehende Mütter, Arbeitslose und Ausländer – sie alle leisten sich nur das Nötigste.

Um Lebensmittel zu bekommen, müssen sie zunächst ihre Bedürftigkeit nachweisen und bekommen dann einen Berechtigungsschein. Etwa 150 davon werden pro Station ausgestellt. „Die sind überall längst vergeben“, sagt Kiethe. „Wir haben lange Wartelisten“. Was Hannelore Kiethe erschreckt: „Es kommen immer mehr Jüngere.“ Viele Selbständige, die ihr Geschäft aufgeben mussten, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und viele Schulden haben. „Da kommen oft Leute, die seit Tagen nichts gegessen haben.“

 

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